Presseinfo „Ritual for the Whores“

Vom 8. bis 10. August 2014 fand auf dem internationalen Sommerfestival Kampnagel in Hamburg der Kongress “Fantasies that matter: Images of Sexwork in Media and Art” statt. Im Rahmen dieses Kongresses, der von Eike Wittrock und Margarita Tsomou konzipiert wurde, war auch Annie Sprinkle mit drei Beiträgen vertreten. Wir haben diese Auftritte dokumentiert:

  • Ritual for the Whores (22 min)
  • Bosom Ballet (6 min)
  • Annie Sprinkle: My Life and Work as a Metamorphosexual Whore (50 min)

„Was erzählt das Bild, das sich die Gesellschaft von Sexarbeit macht, über ihr Verhältnis zu Frauenarbeit, Sexualität und Sexualmoral, Gender, Migration und Armut?“.

„Fantasies that matter. Images of Sexwork in Media and Art“ hieß die Konferenz, die im Rahmen des Internationalen Sommerfestivals Kampnagel Hamburg und
MISSY-Magazine vom 8. bis 10. August 2014 stattfand. Stargast der Konferenz war zweifelsohne: Annie Sprinkle.

Die US-Amerikanerin mit dem gebürtigen Namen Ellen Steinberg ist Pionierin im Kampf um die Rechte von Sexarbeiter*innen. Annie Sprinkle ist Ecosex-Workerin, Performancekünstlerin, politische Aktivistin, sex educator, Pornodarstellerin, Filmemacherin und sexpositive Feministin – das meiste davon seit über 40 Jahren.
Ulrike Zimmermann und Claudia Richarz haben die drei Auftritte Annie Sprinkles dokumentiert. Das Ausgangsmaterial der Performances haben sie dabei weitgehend für sich stehen lassen, und auf Kommentare oder filmische Eingriffe verzichtet – und wer Annie Sprinkle in diesen äußerst spannenden Performance-Filmen erlebt, weiß auch, weshalb das perfekt funktioniert: Sprinkle ist ihre eigene Show.

Ritual for the Whores:

„We have some incredible whores here who will try to create some whore magic for us tonight“. Begeisterte Rufe und raschelnder Applaus folgen. Die Kamera nimmt uns mit in den Kreis der Sexworker*innenn, die händehaltend ihr Ritual beginnen, schaut neugierig den Performer*innen bei ihrem Treiben zu. Die Statements richten sich gegen Kolonialisierung, Diskriminierung, Illegalisierung und Gewalt gegen Sexarbeiter*innen. Das Feld ist so weit wie die Performances unterschiedlich sind: es wird getanzt, sich mit Öl eingerieben, meditiert, masturbiert und gefistet. Am Ende eine Verbeugung, hinter den Kulissen ein kollektiver Kreis. Das Ritual, im Film als Begegnung und Ereignis für immer festgehalten, ist zu Ende, aber: a whore’s work is never done. Die Kämpfe und Rituale müssen weitergehen, genauso wie der Aktivismus und die Metamorphosen der Annie Sprinkle.

Bosom Ballet

Annie Sprinkles Bosom Ballet ist mittlerweile eine ihrer bekanntesten Performances geworden, doch bevor ein beherzter und viel erprobter Griff ins Dekolleté die circa einmütige Show beginnen lässt, hat Annie Sprinkle noch einiges zu sagen. Ihr Aussehen ist längst zum Markenzeichen geworden: im tiefausgeschnittenen lila Abendkleid, das den großen Busen betont, mit langen, feuerroten Haaren und burlesken Federteilen darin und in schwarzen, ellbogenlangen Handschuhen, steht Annie Sprinkle vor ihrem Publikum: „Guten Abend meine Damen und Herren, and everything else especially!“

My Life and Work as a Metamorphosexual Whore

In diesen faszinierenden 50 Minuten erfahren wir von den vielen Metamorphosen einer Frau, die als Hure begann, und diesen Begriff seit langem positiv besetzt hat, nebenbei aber auch sexpositive Feministin und seit einiger Zeit nun „eco-sexuelle“ Aktivistin und Performerin ist. What a herstory!

Text von Toby Ashraf.

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