Beschreibung

My Life and Work as a Metamorphosexual Sex Worker
Performance-Lecture Mitschnitt
Titel: My Life and Work as a Metamorphosexual Sex Worker – Starring Annie Sprinkle
Dauer: 50 Minuten
Sprache: Englisch
Untertitel: Deutsch
Jahr: 2014
Kamera: Claudia Richarz
Produktion: MMM Film (www.lauramedia.de)
VIDEO ONLINE ANSEHEN | 5,00 €

„A whore’s work is never done „
„Guten Abend meine Damen und Herren, and everything else especially!“

Seit 42 Jahren ist die beim Auftritt im Kampnagel 60-jährige Annie Sprinkle bereits Sexarbeiterin, erfahren wir. Bereits 1975 hat sie das Prostitutes Rights Movement gegründet. In My Life and Work as a Metamorphosexual Sex Worker entschuldigt sich Annie Sprinkle beim Betreten der Bühne erst mal für die Verspätung, ihre künstlichen Wimpern hielten wohl der Hitze nicht stand. „A whore’s work is never done „, gibt sie amüsiert in die Runde, bevor sie, geschmückt mit großer Kette und einem Federboa-artigen Haarteil, zu ihrer Power-Point-Performance ansetzt. Bereits bim mittlerweile legendären, von Tim Stüttgen organisierten Berliner Symposium „Post Porn Politics“ konnte man 2006 bewundern, wie Sprinkle aus einer der langweiligsten Präsentationsformen ein hinreißend informative, aber vor allem unterhaltsame Show machte, und so ist es acht Jahre später noch einmal besonders interessant zu sehen, welche politischen Updates die Aktivistin ihrem Leben hinzugefügt hat.

Es beginnt bei der Jugend, geht weiter zur Werdung der Annie Sprinkle, ihrer Arbeit in Massage-Salons, dem Beginn der Sexarbeit und dem raschen organisierten Kampf für die Rechte der größtenteils rechtlosen Prostituierten. Die begann mit der Menschenrechtsorganisation „Coyote“ in New York, gleichzeitig wandelte sich Annie Sprinkle – ihre Show heißt nicht umsonst „metamorphosexual“- zur Pornodarstellerin und später -regisseurin. Sprinkle erzählt in ihrer unnachahmlich natürlichen und einnehmenden Art vor großer Leinwand von der Revolution der Soft-Pornos, den Grabenkämpfen mit Feministinnen und immer wieder von Anfeindungen, Verhaftungen und Zusammenstößen mit der Staatsgewalt.

Ulrike Zimmermann und Claudia Richarz halten diese Geschichtsstunden zurecht ehrfürchtig im nicht geschnittenen, kaum veränderten Bild fest und machen somit die Leinwand erneut zur Bühne der Annie Sprinkle, die sie wie keine andere zu bespielen weiß. Herrlich ihre damals mit den ersten Computern erstellten „Pornstistics“, in denen sie per Torten- oder Penisdiagramm ihre Arbeit minutiös errechnet und ausgewertet hat. Bewegend der rasche erzählerische Sprung in die Zeit von HIV und AIDS, die Sprinkle verschonte, viele ihrer Freund*innen aber das Leben kostete.

Erhellend, wie Sprinkle sich immer wieder auch politisch neu erfindet, den „Post Porn Modernism“ ausruft, mit „Transsexual Love Story“ Transgender-Sexarbeit oder Sexarbeit mit körperlich Behinderten in den Fokus ruft. Ihr „Public Cervix Announcement“, bei dem das Publikum tief in ihren Gebärmutterhals gucken durfte, ist neben ihrer späteren Arbeit als Sexologin im Vortrag als Erzählung eben so spannend wie es als Akt radikal war. Annie Sprinkles Kampf für Gay Rights („Queering Weddings“) oder ihre „Chemo Fashionshow“ bei der Behandlung ihres Brustkrebses sind weitere erstaunliche Stationen eines Lebens, das trotz aller Kämpfe immer mit viel Freude gelebt wurde, wie sie sagt. Das merkt man Annie Sprinkle bei ihren Erzählungen jede Sekunde lang an. In diesen faszinierenden 50 Minuten erfahren wir von den vielen Metamorphosen einer Frau, die als Hure begann, und diesen Begriff seit langem positiv besetzt hat, nebenbei aber auch sexpositive Feministin und seit einiger Zeit nun „eco-sexuelle“ Aktivistin und Performerin ist. What a herstory!

Trailer: