Das Problem ist meine Frau

Täterarbeit in der Praxis. Eine dokumentarische Inszenierung.

In einer Laborsituation mit echten Gewaltberatern und (echten) Schauspielern zeigt Calle Overweg Täter häuslicher Gewalt bei dem Versuch, aus der Spirale ihrer Gewalt auszubrechen.

Thema: Häusliche Gewalt

Die in diesem Film gezeigten Fälle sind nach langer Recherche frei erfunden. Fachleute für häusliche Gewalt haben außerdem dafür gesorgt, dass die dargestellten Männer den Wirklichen gleichen. Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind beabsichtigt.

Preis für den besten deutschsprachigen Dokumentarfilm (3Sat) 2003

Der Regisseur Calle Overweg kommt mit seiner dokumentarischen Nachinszenierung von Therapiesitzungen auf faszinierende Weise den gesellschaftlichen wie psychologischen Hintergründen männlicher Übergriffe auf die Spur.

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Arnold Dammann spielt:
Friedrich Mohnheim,
Prokurist bei einer Reederei, 2 Kinder,
schlägt seine Frau seit 18 Jahren

Hermann Killmeyer spielt:
Dr. Walter Pressinger,
Oberarzt, Chirurgie, 3 Kinder, schlägt seine Frau seit 9 Jahren

Michael Baral spielt:
Markus Schmidt
arbeitsloser Journalist, schlug seine Freundin so, dass ihr ein bleibender gesundheitlicher Schaden droht

Frank Meyer-Brockmann spielt
Andy Wessinghage,
Taxifahrer, Antik-Möbel-Händler, Kinder leben bei früherer Frau, schlägt seine Freundin seit 3 Jahren

Beratung:
Burkhard Oelemann und Joachim Lempert
von der Organisation „Männer gegen Männer-Gewalt®“

Institut-Lempert.eu
Europäische Täterhotline euline.eu

„Ein gewalttätiger Mann sucht nicht Beratung, solange wie er schlägt, auch wenn er über Jahre hinweg immer wieder gewalttätig wird, aber solange die Beziehung weiter funktioniert, solange seine Gewalt funktioniert, solange wird er nicht auf den Gedanken kommen, sich Beratung zu holen.“ (Oelemann)

Das Regiedebüt von Calle Overweg knüpft direkt an die marktschreierischen Authentizitätsformeln der nachmittäglichen Talkshows und ihren täglich wechselnden Sorgenstrich an. Es geht um Männer, die – zum Teil seit Jahrzehnten, zum Teil erstmalig, aber mit katastrophalen Folgen – ihre Frauen schlagen oder geschlagen haben und bei Therapeuten Hilfe suchen. Doch die Täter sind Schauspieler, die Sitzungen mit ihren “echten“ psychologischen Betreuern sind nachgestellt. Die Geschichten vom erfolgreichen Prokuristen, vom Chefarzt, vom arbeitslosen Journalisten, vom Antiquitätenhändler und Taxifahrer, die sich hier Stück für Stück entrollen, erzählen so nicht nur von der häuslichen Gewalt als einem kulturpathologischen Phänomen oder von der Gewalt als Reflex auf den Druck des Arbeitslebens. Sie erzählen auf spannende Weise auch von ihrer eigenen medialen Inszenierung.

Der Regisseur selbst offenbart die Laborsituation seines Films gleich zu Anfang. Texttafeln weisen auf die eigentliche Identität der “Gewalttätigen“ hin. Er selbst steht hin und wieder im Bild, bei einer skizzenhaften Besprechung mit seinen Figuren, seinen Spielern. Man sieht eine Kamera, Lampen, den Fond für den Hintergrund und verliert sich trotzdem schon im nächsten Moment wieder in einem Schauspiel, das, obwohl es sich als Trugbild zu erkennen gibt, auf wundersame Weise berührt, nah und näher rückt.

Quelle: Birgit Glombitza: “Deutschland, revisited II”. (Katalog zur gleichnamigen Filmreihe im Kommunalen Kino Metropolis September 2007). Kinemathek Hamburg e.V., 2007.

Lesen Sie in Interview mit dem Regisseur Calle Overweg für die Bundeszentrale für politische Bildung.

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